Ganz persönlich,  Lifestyle

Das Problem mit meinem Bauch

In meinem gestrigen Instagram-Post habe ich über ein für mich sehr besonderes Ereignis berichtet. Ich bin gestern den ganzen Tag mit einem bauchfreien Oberteil unterwegs gewesen und habe nicht einmal das Gefühl gehabt, dass ich mich unwohl fühlen muss. Aber wo ist da das Problem? Ich bin doch dünn und könnte das ohne Sorgen oder Ängste machen. Das sind die Antworten von Menschen, die mich nicht kennen.

Eine weitere typische Reaktion ist: Typisch Frau, immer am rummeckern und nie mit sich zufrieden. Doch so einfach ist das nicht. Ich bin nicht einfach nur mit kleinen Speckröllchen unglücklich. Daran kann ich ja was ändern und bin auch seit ein paar Tagen aktiv dabei. Durch einen Schicksalsschlag vor ca. acht Jahren hat sich mein Körper und somit auch mein Leben für mich grundlegend geändert und ich möchte dich daran teilhaben lassen.

Am 10.02.2011 sollte der glücklichste Tag meines Lebens werden – ich bin Mama geworden. Ich habe einen kleinen Wurm knapp neun Monate mit mir rum getragen und an diesem Tag durfte ich meine Nele endlich auf den Arm nehmen, sie umarmen und an meine Brust legen. Ihre ersten Bewegungen außerhalb meines Körpers zu sehen, war die Belohnung für sieben Stunden Wehen und einer schmerzhaften natürlichen Geburt.

Wie jede Frau fühlte ich mich an dem Tag sehr schlapp und ausgelaugt, habe aber noch Besuch empfangen und jeden Moment mit meiner kleinen Tochter genossen. Doch dann kam die Nacht und das Unheil hat sich langsam einen Weg durch meinen Körper gebahnt. Ich verlor sehr viel Blut, doch laut den Nachtschwestern war das normal, also versuchte ich ohne Sorgen weiter zu schlafen und freute mich auf den nächsten Morgen und den kleinen Zwerg.

Am darauffolgenden Morgen wachte ich mit starken Schmerzen im Unterbauch auf und konnte mich kaum noch bewegen, aber auch das sei ganz normal, es sind nur Nachwehen. Ich versuchte das Beste daraus zu machen, wartete bis Neles Papa kam, um mich mit unserem kleinen Wunder zu unterstützen, doch viel helfen konnte ich ihm dann letztendlich nicht, da die Schmerzen immer schlimmer wurden. Meine Oma kam noch dazu und kümmerte sich so gut es ging um mich.

Als die Schmerzen unerträglich wurden, glaubte auch meine Oma nicht mehr, dass es nur Nachwehen seien und versuchte mehrmals die Schwestern dazu zubringen schnellstmöglich einen Arzt zu mir zu schicken – die Reaktion: Das junge Ding (ich war gerade mal 20 Jahre) hat doch keine Ahnung was richtige Schmerzen sind, das geht wieder weg. Es ist ja auch bald Visite. Nach einer weiteren Stunde ohne das was passierte, krümmte ich mich nur noch im Bett. Ich weinte und flehte meine Oma an, dass sie mich sterben lassen soll – ich war völlig am Ende.

Am späten Nachmittag des 11.02.2011 wurde es dann hektisch. Die Ärzte haben mitbekommen, dass es nicht so harmlos ist, wie zuerst angenommen. Mein Puls war kaum noch vorhanden, ich hatte knapp über 40 Grad Fieber und war nicht mehr ansprechbar. Ab diesem Punkt kann ich mich selbst nur an ein paar Fetzen erinnern und muss die Geschichte daher an der Stelle unterbrechen.

Am Abend wachte ich auf der Intensivstation auf und wusste nicht was passiert war. Ich trug eine Corsage und über meinen kompletten Bauch war vom Brustkorb bis zum Schambein ein Pflaster geklebt. Nach und nach wurde mir erklärt, dass ich auf dem Weg vom Frauenklinikum zur Notaufnahme im Krankenwagen wiederbelebt werden musste, dass ich eine Not-OP hatte und sich herausgestellt hat, dass ich eine Sepsis habe.

Für die Leser, die keine medizinischen Kenntnisse haben, hier eine kurze Erklärung:

„Bei einer Sepsis reagiert der Körper mit einer schweren, das Blut überschwemmenden Entzündung auf eine Infektion. […] Erst wenn der Körper nicht mehr aus eigener Kraft in der Lage ist, die Erreger zu bekämpfen, kommt es zu einer Blutvergiftung. Ohne rechtzeitige Behandlung bricht bei einer schweren Sepsis das gesamte Immunsystem zusammen. Bei einem toxischen septischen Schock fallen gleichzeitig mehrere Organe aus (Multiorganversagen) und der Blutdruck fällt massiv ab. Ist eine Sepsis bis zu diesem Stadium fortgeschritten, führt sie in 50 Prozent aller Fälle zum Tod. Eine rechtzeitige medikamentöse und/oder chirurgische Behandlung ist daher für eine erfolgreiche Behandlung wichtig.“


https://www.qualitaetskliniken.de/erkrankungen/sepsis/

Am darauffolgenden Tag habe ich beim Verbandswechsel das erste Mal einen Blick auf meinen Bauch geworfen und für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Ein Schnitt, der unter dem Brustkorb begann und über dem Schambein endete, geschmückt mit schätzungsweise 50 Tackernadeln zierte meinen Oberkörper. Weitere drei kleinen Schnitte rundeten das Bild ab. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Nach drei Tagen habe ich die Intensivstation verlassen und wurde in die Klinik für Frauenheilkunde zurückverlegt. Dort verbrachte ich weitere drei Wochen und jeden Tag zur Visite standen ca. 15 fremde Menschen neben den Ärzten und haben „diesen seltenen Fall“ betrachtet. In einem Lehrkrankenhaus muss man solche Patienten ja zeigen. Ich verfiel in eine tiefe Depression und habe mit meinem Leben abgeschlossen. Zu guter Letzt musste ich die Station ein weiteres Mal wechseln, da ich noch eine schlimme Lungenentzündung bekam.

So haben mich bisher nur Familienmitglieder und gute Freunde gesehen, aber ich möchte auch die echten Bilder mit dir teilen.

Als ich nach insgesamt über einem Monat Klinikaufenthalt nach Hause kam, hatte ich lange damit zu tun wieder in das normale Leben zurückzufinden, doch Nele war mein Anker. Ich kämpfte mich durch, aber mit meinem Körper konnte ich mich nicht mehr anfreunden.

Nach Monaten des Heilungsprozesses stellte sich auch noch heraus, dass meine Narbe nicht normal verheilte, sondern eine sogenannte Keloid-Narbe ist. Auch hier nochmal eine Erläuterung:

„Die Wulstnarbe (Keloid), die immer stark erhaben und verdickt ist, die weit über den ursprünglichen Wundbereich herausragen kann und bei der immer Symptome von Juckreiz bis Schmerzen bestehen. […] Als Auslöser von Keloiden gelten neben Verletzungen und chirurgischen Eingriffen auch Akne oder Insekten­stiche.“


https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-062010/entfernung-ist-nicht-moeglich/

Nach Jahren des sich daran Gewöhnens, unzähligen Stunden mit einer Psychologin und mehreren Versuchen eine Narbenkorrektur vorzunehmen, habe ich beschlossen damit zu leben und zwar so normal wie möglich. Ich habe einen tollen Partner, der mich unterstützt, mich schön findet so wie ich bin und es mir nicht nur sagt, sondern auch zeigt.

Welche Probleme die Operation und die Narbe noch so mit sich bringen, außer dass sie mein Aussehen verändert haben, erzähle ich dir in einem anderen Blogpost zu gegebener Zeit.

Ich freue mich immer sehr über Kommentare, vielleicht habe ich dir ja aus der Seele gesprochen oder womöglich hast du einen ähnlichen Schicksalsschlag erlebt. Teile diesen gerne mit mir.

Deine El Ef von ilovesunshine

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5 Kommentare

  • Nina

    Liebe El Ef, ich habe gerade pure Gänsehaut bekommen beim Lesen dieses Blogpost.

    Meine Erfahrungen nach der Geburt sind ähnlich deiner. Auch bei mir haben die Ärzte (auch wegen totaler Überfüllung am Tag der Entbindung) nicht so schnell reagiert wie es hätte sein sollen, mit dem Resultat, dass ich einen kompletten Blutaustausch, Wiederbelebung und Not OP hatte.

    Das Gute aus dieser Nahtoderfahrung trage ich bis heute in meinem Herzen. Ich lebe jeden Tag intensiv und freue mich über mein Leben. Egal wie schwer es zwischendrin auch Mal ist. ☀️

    Ich habe dich und dein IG Profil erst vor kurzem entdeckt, doch genau das , was ich empfinde, sehe ich bei dir auch – Sunshine Live ☀️, mit purer Lebensfreude – und Dankbarkeit für das Leben.

    Mir hat u.a. die Arbeit mit positiven Glaubenssätzen aus jahrelangen Panikattacken heraus geholfen. Und aus der Liebe und dem Vertrauen, das nur ich mein Leben selbst positiv gestalten kann, ist auch mein Business entstanden. ❤️️

    Danke, dass du diese Erfahrung mit uns teilst. Es gibt mir gerade ein Gefühl von „Ich bin nicht alleine“ ♀️

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    • elef1210

      Hallo Nina,

      ich danke für deine lieben Worte. Auch für mich ist der Gedanke „Ich bin nicht allein“ eine unbeschreiblich tolle Reaktion. Ich wollte genau das erreichen, Menschen – vor allem Frauen – sollen merken, dass es auch noch andere gibt, die ähnliche Situationen durchleben mussten.

      Es ist ein harter Weg mit einer solchen Situation klar zukommen und viele gehen unter dem enormen Druck kaputt und schaffen es nicht wieder aus dem Loch heraus. Da sollten wir, die es bereits geschafft haben, die Hand hinhalten und kräftig ziehen.

      Ich bin wahnsinnig froh, dass wir uns über Instagram gefunden haben und so einige Ähnlichkeiten entdecken konnten. Wozu Social Media scheinbar doch gut ist 😉 Ich freue mich auf viele weitere tolle Gespräche und vielleicht trifft man sich irgendwann mal im „Real Life“ =)

      Liebe Grüße Lisa

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